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Interview Alexander Häusler

Alexander Häusler ist seit 2012 als Webentwickler bei team neusta und düst den Großteil seiner Freizeit begeistert über’s Wasser. Vor dreizehn Jahren hat ihn und seine Frau Sandra die Leidenschaft für’s Kitesurfen gepackt und sogar von Köln nach Bremen gebracht. Seitdem geht’s jedes zweite Wochenende und in jedem Urlaub ans und natürlich auf’s Meer – immer mit ihren Bremer Kite-Freunden und seit drei Jahren auch mit dem Nachwuchs im Gepäck.

Wie fing es denn an mit dem Kitesurfen?

Wir waren zusammen am Bodensee und da haben wir einen Freund getroffen, zufällig, den ich Jahre zuvor in Ägypten kennengelernt hatte und der dort damals kiten gelernt hatte. Dieser Freund war inzwischen Bademeister in Immenstaad, dem kleinen Ort am Bodensee, wo meine Frau herkommt.Und zufällig wohnte er dort in dem Dorf auch noch praktisch gegenüber von Sandra. Und an einem Mittag ist der Freund dort kiten gegangen. Ich hab überhaupt nicht darüber nachgedacht, das auch zu machen, aber Sandra meinte: „Das ist cool – lass uns das mal ausprobieren!“ Dann haben wir ziemlich schnell einen Urlaub gebucht und dort das Kiten gelernt. Das war Ende 2006 in Djerba vor der tunesischen Küste.

Wo wart ihr bis jetzt überall kiten?

Wir waren ein paar Mal in Ägypten, in Hamata ganz im Süden, kurz vor der Grenze zum Sudan, und in Soma Bay. Und an der Nordseeküste waren wir natürlich und in Holland. Dann sind wir zweimal in die Karibik geflogen und unsere Hochzeitsreise haben wir 2013 für 3 Wochen nach Maui, Hawaii, gemacht, wo das Kiten herkommt.

Erklär doch mal genau, was Kitesurfen ist...

Du hast ein Board unter den Füßen, wie ein Snowboard. Und dann bist du mit einem Trapez an einem Drachen festgemacht, dem sogenannten Kite, der praktisch an dir dran hängt. Zusätzlich hast du eine Lenkstange, die „Control-Bar“, die mit dem Kite verbunden ist. Mit der Control-Bar bestimmst du die Richtung, in die der Kite dich zieht.
Man ist fest fixiert am Kite: Mit zwei Schnüren hängt man am Kite und mit zwei Schnüren steuert man. Aber es gibt es mehrere Sicherheitssysteme, mit denen du den Schirm jederzeit loswerden kannst. Früher gab es das nicht und es passierten reihenweise Unfälle. Der durchschnittliche Kite ist 12 m2 groß – wenn diese 12 m2 im strammen Wind hängen, ist da ordentlich Power dahinter.

Ist es unkompliziert, sich eine gute Kite-Ausrüstung zuzulegen, oder muss man sich da vorab sehr genau informieren?

Man sollte nicht einfach so loskiten, sondern vorher einen Kurs machen – dazu gehören vorweg auch Übungen mit einem kleinen Schirm an Land, um die Koordination zu lernen. Später auf dem Wasser musst du den Schirm blind steuern können, ganz automatisch, während du dich mit den Füßen auf dem Board hältst. Du musst ja nach vorn schauen, wohin du gleitest, nicht nach oben, sonst wird es schwierig.

Wie schnell wird man denn so beim Kiten?

Die Leute denken immer, das sei mega schnell. Der Weltrekord liegt zwar bei 100 Kilometern pro Stunde, aber wir fahren vielleicht mit 20 bis 30 km/h durch die Gegend.

Und was hast du für einen Schirm, es gibt ja unterschiedliche...?

Es gibt zwei Kategorien: Softkites ohne Luftkammern und Tubekites, die man aufpumpen muss – je nachdem, wie schnell du mit der Luftpumpe bist, sind die in ein bis zwei Minuten startklar.

Ist der Sport kostspielig oder auch was für klamme Studenten?

Viele junge Leute machen das, aber auch viele ältere Menschen, das ist bunt gemischt. Und man kann auch gar nicht mehr so sagen, ob mehr Männer oder Frauen kiten, inzwischen machen das auch sehr viele Frauen.

Als du das Kitesurfen das erste Mal in Djerba ausprobiert hast, bist du da einfach aufs Board und fandest es gleich cool?

Nee, das war anfangs sehr frustrierend, obwohl wir uns gut vorbereitet hatten. Wir hatten normale Lenkdrachen, mit denen wir regelmäßig auf den Pollerwiesen in Köln auf Mountainboards hin- und hergefahren sind, sodass man die Koordination lernt und ein Gefühl fürs Kiten bekommt. Und wir sind mindestens einmal pro Woche zum Training Wasserski gefahren.

Und wie lange hast es gedauert, bis du es richtig gut konntest?

Das ging das schon im Urlaub gut. Meine Frau musste ich ein bisschen mehr motivieren – wenn etwas nicht auf Anhieb klappt, dann frustriert das ja. Aber ich bin da auch nicht mit großem Ehrgeiz rangegangen, ich hatte keine großen Erwartungen.

Braucht man für’s Kitesurfen eigentlich sowas wie einen „Führerschein“?

Ja, du machst einen Schein, aber nichts Offizielles wie beim Segeln oder Motorboot fahren. Man bekommt zwar eine Lizenz von den Wassersportverbänden ausgestellt, aber die Kriterien, die du erfüllen musst, sind nicht normiert. Es wird ganz gut Geld damit verdient.

Und wo überall kann man den Sport machen – nur am Meer oder auch auf einem See?

Ja, sowohl auf einem See als auch am Meer. Meine Idee ist ja: Wenn ich im Lotto gewinne, dann hebe ich hier einen Tümpel aus, wo man schön kitesurfen kann, wo dir keiner auf die Nerven geht. Das Ding ist, dass die Nationalpark-Versammlung von der Nordseeküste das Drachensteigen generell verboten hat. Weil das die Vögel irritiert. An der Küste gibt es seit Jahren einen Kitesurf-Verein mit 120 Mitgliedern, in dessen Vorstand ich bin, und wir müssen alle drei Jahre Kitesurf-Zonen neu beantragen, in denen der Sport erlaubt ist. Also Windsurfen und Motorboot fahren darfst du da überall – aber die Kiter, die verscheuchen die Vögel, alle andern tun das nicht. Grund ist, wir würden ja mit 100 Kilometern pro Stunde durch die Gegend rasen. Dass wir in Wirklichkeit viel langsamer sind, interessiert die nicht. Da sind in meinen Augen viele falsche Informationen im Umlauf.

Das sind Umweltschutzverbände, die es uns da schwer machen. In meinen Augen geht es nicht um Vogelschutz, sondern um Gelder. Wir haben an einigen Spots ein Kite-Verbot während des Winters, weil dann dort Vögel sein sollen.

Warum ist das so, ist Eure Lobby noch nicht groß genug?

Wir wissen nicht, warum – die haben uns jedenfalls auf dem Kieker. Wobei wir natürlich schon mit dem Deutschen Segler-Verband, dem DSV, sprechen. Vor fünf Jahren haben wir als Kitesurf-Verein begonnen, die Nationalpark-Verwaltung zu verklagen, weil wir der Meinung sind, dass diese gar nicht das Recht hat, den Verkehr auf dem Wasser zu regeln, das sind ja Bundeswasserstraßen. Einer der bekanntesten Wasser-Rechtler, Professor Dr. Holger Schwemer aus Hamburg, vertritt unseren Kite-Verein und ist auch voll und ganz unserer Meinung.

Die Global Kitesports Association – das ist die globale Vertretung für die Kitesport-Industrie und -Händler, ist natürlich auch auf unserer Seite. Und zusammen mit der Association haben wir ein Gutachten von einem sehr bekannten dänischen Institut erstellen lassen. Dazu wurden all die Studien, die dazu bisher gemacht wurden, einmal richtig ausgewertet und die Fehler aufgezeigt. Beispielsweise gab es eine Metastudie von einem Umweltverband, deren Grundlage viele andere Studien zum Thema Kiten waren. Aus diesen Studien wurde alles Negative verwendet und als Metastudie veröffentlicht. Alles Positive oder Neutrale daraus wurde nicht berücksichtigt. Und das wurde von der Nationalpark-Versammlung dann als Studie angeführt. In ähnlicher Weise läuft das beim Thema Kiten fast ausnahmslos...

Wie ist denn der Rechtsstreit bisher verlaufen?

Vor fünf Jahren sind wir gestartet und haben dann drei Jahre auf den Gerichtstermin gewartet. Vor dem ersten, sozusagen dem untersten Gericht haben wir verloren. Wir hatten den Termin am Montag und am Donnerstag dergleichen Woche waren 30 Seiten Urteilsbegründung in unserem Briefkasten. Wir halten das für ziemlich unmöglich, ohne dass vorher schon alles so gut wie fertig in der Schublade lag. Unserer Meinung nach wollten die nichts entscheiden. Die Klage wurde weiter an das Oberlandesgericht verwiesen und da warten wir jetzt auch schon seit zwei Jahren auf einen Gerichtstermin. Bis wir da fertig sind, sind am Ende bestimmt 30 Jahre um. Unglaublich.

Und wie oft im Jahr surft ihr mit den Boards auf dem Wasser?

So oft es geht. Kiten ist jahreszeitenunabhängig. Es kommt halt drauf an, wie tough du bist. Wir gehen jetzt noch etwa bis Oktober kiten und fangen dann im März wieder an. Jedes Wochenende funktioniert leider nicht, aber jedes zweite. Das passt auch besser mit den Tidezeiten, sodass dort Hochwasser ist. Naja, und du musst natürlich auch Wind haben und es sollte nicht in Strömen regnen.

Gibt es auch besondere Kite-Treffen oder -Festivals?

In Otterndorf finden viele Drachen-Festivals statt, wo auch Kitesurfer sind und Leute, die mit Kitebuggys an Land fahren. Der Cuxhavener Verein macht vor allem viel für den Nachwuchs, da finden oft Strandaktionen an unterschiedlichen Spots statt.
International gibt es so große Touren, die das ganze Jahr über in verschiedenen Ländern Station machen. Da werden mehrere Tour-Stopps gemacht und Punkte gesammelt, es gibt an den verschiedenen Stationen jeweils einen Gewinner und am Ende einen Weltmeister. Das Kiten soll ja auch noch olympisch werden in den nächsten Jahren.

Wo war der am weitesten entfernte Ort, an dem Du schon gekitet bist?

Das war Maui, Hawaii, das ist schon ziemlich weit weg. Dahin haben wir 2013 unsere Hochzeitsreise gemacht. Da kommt das Kiten ja her.

Und wo war dein Highlight, wo konntest du am tollsten kiten bisher?

Auf den Turks & Caicos Inseln in der Karibik. Die Insel liegt östlich von der Dominikanischen Republik und südlich der Bahamas. Wir waren nur per Zufall dort, auf eine Empfehlung von unserem Freund aus Bremen. Auf der Insel gibt es nur Sechs-Sterne-Hotels, in denen die Woche um die 4.000 Dollar kostet. Aber wir haben eine Privatunterkunft gefunden und bei einem älteren Hippie-Pärchen gewohnt – meganett, alles völlig entspannt. Die haben uns sogar die Geheimspots der lokalen Kiter verraten. Und so standen wir dann an einem Strand, der zehn Kilometer lang war – türkises Wasser bis zum Horizont und kein Mensch. Wir dachten: „Das ist hier nicht echt!“ Wir waren dann noch ein zweites Mal auf der Insel, aber du fliegst ab London wirklich zwölf Stunden – jetzt mit Kind...keine Chance.
Und Südafrika, das war auch super, da waren wir vor fünf Jahren. In Kapstadt findet auch jedes Jahr ein „Red Bull King Of The Air“ statt und es geht darum, wer am höchsten springt.

Und zu welchem Hotspot geht’s als nächstes?

North Carolina, da wollen wir unbedingt auch mal hin. Und nochmal Südafrika.

Hast du darüber hinaus noch mal was Besonderes erlebt beim Kitesurfen?

Man trifft ab und zu mal ein paar Tiere, wie zum Beispiel Seelöwen auf Borkum. Wenn du neben denen kitest, tauchen die gern immer wieder auf und gucken dich mit großen Augen an. Und die knabbern dich an, die sind halt neugierig. Oder auf Maui, da schwamm beim Kiten plötzlich eine Schildkröte neben mir, bei der ich dachte: ‚Aber so große Schildkröten gibt’s in echt doch gar nicht! ’

Na, dann weiter viel Spaß und Bar- und Boardbruch!